Fr
21
Okt
2011
Interview mit Adam im US-Magazin "The Advocate"
Das US-Magazin "The Advocate" hat Adam einen Tag lang in seinem alltäglichen Leben und bei seiner Arbeit im Studio begleitet.
Dabei wurden auch ein Fotoshooting und ein Interview mit ihm gemacht.
Wie sein Tagesablauf momentan aussieht und was er in dem Interview über das neue Album, seine Rolle als schwuler Künstler und weitere Themen gesagt hat, erfahrt Ihr hier!
"Ich habe einen Smoothie getrunken und getankt!"
Der Morgen von Adam Lambert ist nicht so viel anders als der von vielen Einwohnern in Los Angeles auf ihrem Weg zur Arbeit.
"So sind meine Tage", sagt er in den Conway Aufnahme Studios in Hollywood, während er den letzten Rest seines Smoothies durch den Strohhalm zieht. "Ich bin aufgestanden, bin auf meinem Laufband in meinem Haus 20 Minuten gelaufen und habe mich fertig gemacht. Ich liebe diesen Saftladen. Dieser Smoothie heisst "Des Sängers Heilmittel" und besteht aus Zitrone und Cayenne. Er reinigt deinen Hals und bereitet deine Stimmbänder vor. Und das ist etwas, das ich gerade mache. Und ich brauche Benzin zum Fahren. Es ist ein normaler Tag."
Normal bis zu einem gewissen Punkt. Dann folgen das gesamte Interview für das Magazin, das Fotoshooting und ein Tag Arbeit im Studio. Lambert nimmt gerade sein Nachfolgealbum zu seinem Debutalbum aus dem Jahre 2009 "For Your Entertainment" auf und hat die letzten fünf Monate damit verbracht, Lieder zu schreiben und aufzunehmen. Und es hat sich eine Menge geändert, seitdem die am meisten umstrittene Persönlichkeit von "American Idol" das erste Mal die nationale Bühne erobert hat.
Im Alter von 12 Jahren begeisterte er die Zuschauer der San-Diego-Theater-Kinder-Company mit seinem kraftvollen opernartigen Solo in dem Stück "Fiddler on the roof" (Anatevka), eine Erfahrung, die den Wunsch nach einer Theaterkarriere heranreifen liess. 15 Jahre später haben seine überraschenden Neufassungen von einigen beliebten Liedern (Johnny Cash's "Ring of fire", Tears for Fears's "Mad world"), gepaart mit einer ausgesprochenen Glam-Ästhetik, die größer war, als die seiner weitgehend typisch amerikanischen Konkurrenten, ihn zur interessantesten Person der achten "American-Idol" Staffel werden lassen, aus der er schließlich als Zweitplatzierter hervorging.
Lambert hat sich vor Publikum schon lange wohlgefühlt. Es waren die Begleiterscheinungen des Ruhms, die ihn - und die Medien - aus dem Konzept gebracht haben.
Noch bevor die Show zu Ende aufgezeichnet wurde, erschien er auf dem Cover der "Entertainment weekly" mit einem Artikel, der darüber spekulierte, ob er schwul sei und warum er es nicht sagen würde - alles ohne jemals ein Interview gegeben zu haben. (Den Idol Teilnehmern ist es verboten, während des Wettbewerbs individuelle Interviews zu geben.)
Er outete sich im "Rolling Stone" und erschien in einer provokanten Fotostrecke im "Details Magazine", wo er anzüglich eine nackte Frau anfasste. Als er einwilligte, in einer Veröffentlichung eines Schwulen-Magazins, dem "Out-Magazine"(das zur Here-Media-Gruppe gehört, die ebenfalls "The Advocate" herausbringt), zu erscheinen, machte sein Management so viele Auflagen und Bedingungen für das Foto ("es muss von einer hetero-Frau begleitet sein") und das Interview ("nicht zu schwul"), dass Aaron Hicklin diese Bedingungen in seinem Editor's letter ausführlich aufführte. Lambert antwortete darauf via Twitter und wies darauf hin, dass andere ihm nicht ihre eigenen Absichten aufzwingen sollten und schockte dann die Medienbeobachter bei seinem ersten TV-Auftritt nach "American Idol" damit, dass er seinen männlichen Keyboard-Spieler bei den American Music Awards küsste.
"Ich wollte es gewissermaßen so", sagt er über den Wirbel, der dem Kuss folgte, der CBS dazu veranlasste, eine spätere Ausstrahlung des Auftritts zu zensieren und ABC dazu brachte, ihn aus einer Morgenshow zu verbannen. "Nicht alles ist so vorsätzlich, wie die Leute denken. Da sind Dinge die einfach passieren, die du einfach tust. Es war ein Impuls."
Lambert gibt zu, es war "meinerseits ein bißchen rückschrittlich. Ich denke, ich war ein wenig überfordert von allem. Das war ich, der ein kleines bißchen auf die "Du bist nicht schwul genug"-Sache reagiert hat. In diesem Moment war es für mich, aus welchem Grund auch immer, so, dass ich dachte "So, ist das schwul genug?" Das war ich, der ein bißchen verärgert war!"
Und das Details-Fotoshooting? "Ein Foto mit einem Mädchen zu schiessen - ich dachte, das wäre einfach sexy. Die meisten meiner Fans sind weiblich und es war eine Art Fantasie für sie und warum nicht? Es ist kein Zweifel in ihren Gedanken", dass er schwul ist. "Und kein Zweifel in meinen Gedanken, nicht ein Deut."
Eine im Allgemeinen mehr spekulative Sache ist der Inhalt und das Erscheinungsdatum seines neuen Albums, das zum jetzigen Zeitpunkt noch ohne Titel ist und dessen vorläufiges Erscheinungsdatum auf November gelegt wurde. Lambert beschreibt es als ein persönlicheres Album, getrieben von vokalen Singer-Songwriter-Stücken, Elektrofunk und Synthie-Pop in einer "Nine Inch Nails trifft George Michael"-Art. "Ich weiss, das ist eine eigenartige Mischung, aber so fühlt es sich an", sagt er.
"Egal, was das Thema ist, es ist alles sehr persönlich, auch bei den Upbeat-Spaß-Stücken. Das letzte Album war ein bißchen mehr eine Art Flucht in die Fantasie.....sogar mein Bild auf dem letzten Album war eher theatralisch und irgendwie übertrieben und absichtlich kitschig. Es macht mir Spaß, auf eine lächerliche Art künstlerische Aussagen zu machen."
Die Popsensation denkt, das letzte Albumcover war eher kitschig als provokativ. "Aber in Amerika ist Kitsch nicht etwas, das durchschnittlich ist. Es wird nicht immer so aufgefasst. Du musst den Leuten die Sachen sozusagen vor den Kopf stossen, speziell in der Popmusik."
Er lässt sich Zeit mit seiner kommenden Neuveröffentlichung. "Es braucht seine Zeit, um es richtig zu machen", sagt er. "Ich weiss nicht, wie andere Künstler es machen, aber ich habe mir für dieses Projekt die Mentalität angeeignet, einfach so viel wie möglich zu schreiben und aufzunehmen und wenn wir dann wissen, wir sind soweit, um zu entscheiden, welche Lieder auf das Album sollen, dann schauen wir alles durch und treffen eine Vorentscheidung."
Da ist ein anderer Druck beim zweiten Album, speziell wegen des hilfreichen TV-Rummels, der ganze zwei Jahre zurückliegt. "Aber die Leute erkennen mich, die Leute wissen wer ich bin, also wird das hoffentlich helfen. Ich weiss es nicht. Es ist hart."
Über den persönlichen Charakter des neuen Albums sagt er "Ich glaube, es wird die Leute ein kleines bißchen hinter meine Fassade schauen lassen - eine selbstkreierte und total eingestandene Fassade. Ich versuche, meinem Publikum zu übermitteln, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen kann und dass da mehr im Universum ist, als man mit seinen eigenen Augen sehen kann. Es ist wie existentieller Pop."
Lambert ist geteilter Meinung, wenn es um die Sicht der Schwulen und um seinen Platz als schwule kulturelle Figur geht. Er engagiert sich in zunehmendem Maße in Organisationen für die Rechte der Schwulen, dennoch fragt er sich "Auf wieviele Arten kann ich G-A-Y buchstabieren? Jeder weiss, dass ich schwul bin. Und die schwierige Sache dabei ist, wo ist da die Balance für mich? Ich bin ein Musiker und ich schreibe Musik. Ich werde auch gesellschaftspolitisch immer mehr eingebunden, ich engagiere mich für das Trevor Project und Equality California - das sind die Dinge, um die ich mich wirklich kümmere. Aber ich möchte das Gleichgewicht wahren. Wofür werde ich in 15 Jahren bekannt sein? Ich möchte für meine Musik bekannt sein, das ist meine Kunst. Das ist es, wodurch ich mich aktiv einbringe. Ich denke, Sichtbarkeit ist ein großartiges Hilfsmittel und das ist ein anderer Grund dafür, dass ich mich so viel darüber geäußert habe, aber die Ironie darin ist, dass wir hier sind und darüber reden."
"Es ist der eigenartigste Kampf gewesen, sich als schwuler Mann in einer Massenkultur zu identifizieren", sagt er. "Ich denke, "The Advocate" ist eine Ausnahme - ich denke, eine angesehene Schwulen-Zeitschrift behandelt es anders - aber im normalen Journalismus machen sie so eine große Sache aus Homosexualität. Ich beginne wirklich, das Post-Gay-Konzept lieb zu gewinnen."
Vor "American Idol" war Lamberts Leben "nicht durch meine Sexualität definiert", wie er sagt, aber nun "mit einem Mal geht es nur darum, dass ich schwul bin. In mancher Hinsicht kann da viel Gutes draus entstehen. Als ich ein Jugendlicher war, hatte ich nicht so viele Leute, zu denen ich aufschauen konnte. Und wenn ich Leute in der Öffentlichkeit gekannt hätte, die wirklich offen damit umgegangen wären, hätte es mir vielleicht geholfen. Ich glaube, das ist ein Gespräch, das die Advocate-Leser bestimmt verstehen werden, weil es kompliziert ist - ich weiss nicht, was zum Teufel ich manchmal mache. Ernsthaft. Keiner bringt dir bei, ein schwuler Prominenter zu sein."
Lambert sagt, er ist zusehends entspannter im Rampenlicht der Medien geworden. "Ich fühle mich wohler im Licht der Öffentlichkeit. Das ist eine Einstellung.....es ist auch eine Wende, die davon kommt, dass ich in einer Beziehung bin, es ändert deine Perspektive und deinen Seelenzustand und was du willst. Ich habe nun das Glück, dass ich in einer Beziehung bin."
Obwohl er eher verschlossen über die Art der Beziehung mit Sauli Koskinen, dem finnischen Big Brother Gewinner von 2007, ist, sagt er, dass sie sich im letzten Jahr nach einer von Lamberts Shows in einer Bar in Helsinki getroffen haben. Ohne zu wissen, dass er eine TV-Persönlichkeit war, sprach Lambert Koskinen an, um Hallo zu sagen und nun sind sie seit letzten November zusammen.
"Weisst Du, ehrlich, wenn du anfängst, zu viel über deine Beziehung zu reden, öffnet es die Tür zu sehr. Ich war vor dieser erst in einer bedeutenden längerfristigen Beziehung und ich bin wirklich, wirklich glücklich. Es hat eine Menge für mich getan, es hat mich geerdet und es hat mich als Songschreiber und als Performer inspiriert", sagt er. "Ich denke einfach, jeder möchte so eine Verbindung und ich bin sehr glücklich, sie gefunden zu haben."
Lambert ist mitteilsamer, was seine schwulen Fans betrifft. "Was ich sagen kann ist, dass es eine größere Schwulenpräsenz international gibt, als im Inland, was ich sehr interessant fand. Ich habe das Gefühl, dass die schwulen Fans, die ich treffe, diejenigen sind, die sich eigenartig fühlen.....ich nehme eine Art von Energie unter jungen Leuten wahr, die besagt, dass es nicht die coolste Sache ist zuzugeben, dass man die Musik von Adam Lambert mag. Die Leute denken nicht, dass ich cool bin. Darum liebe ich, dass ich jugendliche Fans habe, die mutig genug sind, zu sagen "Egal, ich mag Adam Lamberts Musik." Ich meine, ich bin eine Art Sonderling. Ich spüre, dass da ein kollektives Augenrollen in den Medien und im allgemeinen Bewusstsein ist, wenn es um mich geht - mit der Ausnahme meiner tollen Glamberts, meiner Hardcorefans, die das Gegenteil davon sind."
Aber er nimmt es alles mit Humor.
"Es ist wirklich ein Traumjob und es ist wirklich cool. Ich halte inne und betrachte es alles nüchtern. Es ist Popmusik und nicht eine verdammte Hirnoperation. Ich meine, einiges davon ist ernst.....aber einiges davon ist wirklich fröhliche Tanzmusik. Und ich trage 8 Pfund Make-Up, weil ich es verdammt noch mal so will. Warum nicht?"
Quelle: The Advocate
- Betty


