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"Never Close Our Eyes"

   
 
 

Fr

11

Nov

2011

Adam im Gespräch mit dem "Out Magazine"

Der Chefredakteur des amerikanischen "Out Magazines" Aaron Hicklin hat sich vor kurzem mit Adam zu einem ausführlichen Interview getroffen.

 

Dabei ging es unter anderem um Adams bisherige Erfahrungen in der Unterhaltungsindustrie, seine persönliche Entwicklung in den letzten zwei Jahren und die Arbeit an seinem neuen Album.

Wiedersehen mit Adam

 Adam Lambert berichtet dem Chefredakteur Aaron Hicklin was er gelernt hat, seit er vor zwei Jahren auf dem Cover der „2009 OUT 100“ erschienen ist.

 

Vor zwei Jahren haben wir Adam Lambert in der „2009 Out 100“ zum „Breakout Star des Jahres“ gekürt und ihn zusammen mit Dan Choi, Wanda Sykes, Cyndi Lauper und Rob Marshall für das Cover abgelichtet. Im dazugehörigen Redaktionsbrief habe ich die Unterhaltungsindustrie für ihre Art getadelt, wie sie der schwulen Presse den Zugang beschränkt und sie kontrolliert und dabei unsere damalige Erfahrung mit Adams Pressesprecher als Beispiel genommen. Hinterher wurde ich irrtümlich so verstanden, als hätte ich den Brief direkt an Adam adressiert. Obwohl durch die Massen an Antworten von seiner loyalen Fangemeinde eine wertvolle Diskussion gestartet wurde, wurde mein Brief als eine persönliche Attacke angesehen, die die Botschaft beschmutzt hat. Lambert versuchte sofort, sich zu verteidigen, zum Teil dadurch, dass er seine Unabhängigkeit bei den American Music Awards demonstrierte, wo er Oralsex simulierte und eines seiner männlichen Bandmitglieder küsste. Seitdem ist viel Zeit vergangen und wir können mit kühleren Köpfen auf diesen Feuersturm zurückblicken – sogar so kühl, dass wir in der Lage waren, miteinander zu plaudern, etwas das wir schon beim ersten Mal hätten tun sollen. Dieses Jahr ehren wir Adam für die Art, wie er seiner Identität als schwuler Mann treu bleibt, während er eine erfolgreiche Musikkarriere managt, ein Balanceakt, der eine beachtliche Leistung ist! Wie er vor kurzem „The Advocate“ erzählte „Niemand bringt Dir bei ein schwuler Prominenter zu sein.“ Auf eine sehr echte Art und Weise zeigt er den Weg auf.

 

A.L.: Ich hörte Deinen Namen und dachte „Oh, jetzt geht’s los!“

 

A.H.: Weißt Du, ich habe das hier zusammengestellt und realisiert, dass es zwei Jahre her ist, seit wir Dich auf dem Cover der „2009 Out 100“ hatten. Es erschien mir wichtig, dass wir dieses Mal wirklich miteinander reden.

 

A.L.: Ich stimme Dir zu. Ich nehme es Dir nicht übel. Das war damals und ich habe eine Menge gelernt.

 

A.H.: Das habe ich auch. Und ich habe eine Menge aus dem Geschehenen gelernt, meinen Redaktionsbrief zu nutzen, um Kritik an der Unterhaltungsindustrie zu üben – gutes und schlechtes, offen gesagt. Erst einmal habe ich realisiert, dass Du eine Unmenge an leidenschaftlichen Fans hast und jeder einzelne von ihnen war entschlossen, sicher zu stellen, dass ich weiss, dass sie existieren (lacht).

 

A.L.: Ja, sie erheben ihre Stimme.

 

A.H.: Allerdings, das tun sie und einige von ihnen kommunizieren immer noch mit mir und ich habe mich bemüht, so vielen wie möglich zu antworten.

 

A.L.: Es ist eine interessante Dynamik, weil ich denke, die Ironie an dieser Sache ist, dass die Fotosession für „Details“ (in der Lambert umstritten mit einem nackten weiblichen Model posierte), über die wir geredet hatten, irgendwie dafür gemacht wurde, um die Fantasien vieler meiner weiblichen Fans zu befriedigen.

 

Sie haben eine tiefe Vorstellungskraft und es gibt eine Menge an Fantasie-Geschichten, die im Internet geschrieben werden. Ich versuche es nicht zu lesen, weil es ein wenig unheimlich sein kann, aber ich weiss, dass es etwas ist, wo sie sich richtig für begeistern. So war es für mich, wie „Okay, ich habe mein ganzes Leben als ein schwuler Mann gelebt, ich fühle mich damit sehr wohl.“ Und plötzlich habe ich die Möglichkeit, dieses Fotoshooting zu machen und das gegensätzliche Bild von diesem heterosexuellen und männlichen Typen zu spielen. Ich fand es sehr interessant und kreativ und habe nicht eine Minute daran gedacht, dass es irgendetwas abschwächen könnte oder etwas daran ändern könnte, wer ich war. Vieles davon, was in eine Fantasie reinspielt, war wirklich, wirklich gegenwärtig, ich bin den ganzen Sommer über auf Tour gewesen, die Frauen haben mir ihre BH’s zugeworfen und all diesen verrückten Mist! Ich will damit sagen, dass auf der anderen Seite, der richtige Zeitpunkt alles ist. Das ist eine Sache, über die ich in diesem Jahr viel gelernt habe. Ich war dabei, mich den Massen vorzustellen und für mich, für meine eigene persönliche Reise, schien es eine interessante Sache zu sein, das zu tun.

 

Manchmal bin ich nicht so objektiv, wie ich sein könnte und ich betrachte die Dinge nicht aus der Perspektive eines Publikums, das mich zum ersten Mal sieht. Das war definitiv ein wenig der Fall mit der American Music Awards Performance (als Adam Oralsex simulierte und seinen Keyboardspieler küsste). Ich habe mich nicht in die Position der Zuschauer zuhause hineinversetzt, die mich bei American Idol gesehen hatten und das nächste Mal, wo sie mich im Fernsehen sehen, ist es DIESE Performance. Die AMA Performance war vielleicht ein bißchen zu viel, zu schnell und das Fotoshooting für Details, obwohl es sehr schön war, war vielleicht nicht zum richtigen Zeitpunkt.

 

A.H.: Aber zwei Jahre später bin ich neugierig darüber, was Du über Dich in diesem Entwicklungsprozess gelernt hast, seit Du, sehr offensichtlich, vom Teilnehmer einer Show dessen Erfolg einen radikalen Durchbruch repräsentierte zu einem Superstar geworden bist. Es muss in vielerlei Hinsicht sehr anstrengend, sehr fordernd und emotional erschöpfend gewesen sein.

 

A.L.: Ja, es war definitiv eine Menge, was ich da auf mich genommen habe. Aber wann immer ich mich überfordert oder total gestresst fühle, ist die Sache, die mich im Gleichgewicht hält, dass ich die Chance, die ich bekommen habe, wirklich würdige. Wenn ich ein wenig jünger gewesen wäre, hätte ich damit nicht so gut umgehen können. Ich bin 29 und da ich mein Leben während meiner gesamten 20er Jahre in der Unterhaltungsbranche in Los Angeles verbracht habe, bin ich fast wie eine Teflonbeschichtung gewachsen, viel mehr als bei einem Jugendlichen aus Ohio, der einfach dort hinein gerät.

 

A.H.: Also warst Du auf dieses Ausmaß vorbereitet?

 

A.L.: Niemand kann Dich wirklich komplett vorbereiten. Da waren Dinge, über die ich wirklich überrascht war (lacht) und ich hatte sie schnell und auf die harte Tour zu lernen.

 

A.H.: Und Du warst vielleicht nicht darauf vorbereitet, mich zu haben, der auf Dich eindrischt…

 

A.L.: Nein, aber es ist alles fair in diesem Spiel. Ich denke, es hat den Charakter gebildet, was großartig ist und es hat mich definitiv dorthin gebracht, wo ich jetzt bin. Ich denke, die schwierigste Sache als schwuler Prominenter ist, dass wir uns mitten in einer Sozialrechtsbewegung befinden und das ist ein sehr heisses Eisen, also befinden wir uns in einer sehr wichtigen Zeit. Mein Outing war großartig, aber da sind einige Themen, die mich immer überraschen und ich denke „Warum ist das ein Thema?“ Ich lebe und ich bin aufgewachsen in einer Umgebung, die sehr akzeptierend und aufgeschlossen ist, ich umgebe mich in meinem sozialen Umfeld mit Leuten, die Künstler sind und sehr unkonventionell und ich vergesse manchmal, okay, wir beschäftigen uns mit einer Breitenkultur, die nicht die gleiche Mentalität hat, wie ich. Ich denke auch, dass ich von Haus aus sehr eigenwillig bin. Wenn Du mir sagst, dass ich etwas nicht tun kann, dann werde ich es erst recht machen. Ich bin irgendwie rebellisch, aber ich versuche, das mit einem Lächeln zu machen. Ich bin deswegen kein Narr.

 

A.H.: Fürchtest Du, dass es da einen Kompromiss bei Erfolg und Umsatz gibt, wenn Du so ehrlich zu Dir bist, wie Du es bisher warst?

 

A.L.: Es ist definitiv ein ziemlicher Konflikt. Ich denke, ich habe viel Zeit damit verbracht, meine Basis zu finden und meine Sexualität auf die eine oder andere Weise auszudrücken. Und ich denke, jetzt wo bekannt ist wer ich bin und ich das seelisch verarbeitet habe, ist das was wirklich wichtig ist – ohne meinen Stolz als schwuler Mann zu verleugnen oder herunterzuspielen – die Musik. Wenn ich zurückblicke denke ich, dass die anderen Sachen die Musik ein wenig übertrumpft haben. Bei meinem neuen Album ist das Aufregende, dass ich definitiv im Fahrersitz sitze. Ich arbeite direkt mit den Produzenten und mit meinem Label. Ich werde in keinster Weise wie eine Marionette behandelt. Es geht jetzt um die Musik.

 

A.H.: Und ist das jetzt anders als früher in Deiner Karriere?

 

A.L.: Nun, ich meine, wir haben immer versucht uns auf die Musik zu fokussieren, aber da waren so viele andere Dinge die auf mich zukamen und es ging so schnell. Du hast keine Zeit zum Nachdenken. Wir haben das letzte Album in anderthalb Monaten zusammengefügt, während ich mit American Idol auf einer nationalen Tour war. Ich hatte keine Zeit nachzudenken, zu schlafen. Ich habe so viel getan, wie ich konnte. Und das ist hart, wenn man keine Perspektive hat. Dinge gehen verloren und Du vergisst irgendwie ein bißchen die Grundbedürfnisse. Und während ich in den letzten 6 oder 7 Monaten in diesem Schreib-Prozess war, habe ich in einem Haus in Los Angeles gelebt, bin in einer großartigen Beziehung, habe einige Zeit, die ich mit meinen Freunden verbringen kann, ich habe das gehabt, was einem normalen Leben am nächsten kommt, das erste Mal nach dieser American Idol Sache. Es fühlte sich sehr gut an.

 

A.H.: Das nächste Album ist das gefürchtete zweite Album, gefürchtet von vielen Leuten deshalb, weil ein Künstler normalerweise so viel in sein erstes Album hineinsteckt, da es sich seit Jahren in seinem Kopf ausgebreitet hat und beim zweiten Album steht er unter Druck, es schnell zu produzieren.

 

A.L.: Ich habe das Gefühl in meinem Fall ist es genau das Gegenteil. Der Prozess der Herstellung des ersten Albums war so schnell. Dieses ist definitiv das Album, das ich machen möchte. Ich lasse mir Zeit damit, ich bin in der Lage zu sagen „Ich möchte diesen Gesang noch mal aufnehmen“ oder „Lasst uns dieses Lied zu einem anderen Produzenten bringen oder einen anderen Beat da hineinbringen“. Also tauche ich tiefer mit in diesen Prozess ein. Ich habe das Gefühl, mir die notwendige Zeit nehmen zu können.

 

A.H.: Für Dich, wenn Du einen Song schreibst, kommt er aus persönlicher Erfahrung?

 

A.L.: Also, den Großteil der Musik auf dem zweiten Album habe ich geschrieben. Es gibt ein paar Lieder, die von anderen Songschreibern geschrieben wurden, aber wenn ich einen Song singe, den ich nicht geschrieben habe, muss es einer sein, den ich persönlich zu 100 Prozent nachempfinden kann. Wenn ich in die Gesangskabine gehe und singe, kommt es aus meinem tiefsten Inneren. Es ist lustig, als ich den Prozess des Schreibens begann, fühlte ich mich total erschöpft. Es ist wie eine Druckentlastung die passiert, nachdem man so lange unterwegs war. Das echte Leben fühlt sich so fremd und bizarr an und ich war tatsächlich zunächst ein bißchen deprimiert, als ich zurückkam, weil ich nichts mit mir anzufangen wusste. Ich fühlte mich ein kleines bißchen einsam und ich versuchte, zurück in meinen Freundeskreis zu kommen, aber ich merkte, dass ich so lange weg gewesen war, es war seltsam. Und ich versuchte über einige fehlgeschlagene Dating-Situationen hinwegzukommen, die nicht so gut gelaufen waren.

 

A.H.: Das tut mir leid.

 

A.L.: Also ging mein Schreiben in der Anfangszeit eher in die dunklere Richtung, eher düsterer und ängstlicher. Und langsam im Laufe des Schreibprozesses festigte sich meine Beziehung. Es war jemand, den ich getroffen hatte, als ich auf Tour war, der in der Anfangsphase des Prozesses ein paar Mal zu Besuch war und nun dauernd hier ist. Ich bin nun wirklich, wirklich glücklich und zufrieden mit meinem Leben. Ich wollte, dass meine Musik reflektiert, wo ich stehe und ich kann Dir sagen, dass einer der ersten Leute, mit denen ich nach diesem Wendepunkt an dem Album gearbeitet habe, Pharrell Williams war.

 

A.H.: In welcher Art?

 

A.L.: Wir führten ein wirklich langes Gespräch und es war interessant, seine Perspektive über mich als Person und als Künstler zu erfahren, weil er jemand ist, der mich nicht kennt – unsere Lebensstile sind sehr verschieden – aber er ist ein unglaublicher Künstler und ein sehr intelligenter Typ und ebenfalls tiefgründig und spirituell. Also haben wir über das Leben und alles was damit zusammenhängt gesprochen - darüber ein Künstler zu sein und darüber eine Person zu sein, die Missgeschicke überwinden muss. Und wir haben einen Song zusammen geschrieben, von dem die Leute wirklich beeindruckt sein werden, denke ich. Nach meiner Session mit Pharrell habe ich begonnen, mit einigen anderen Songschreibern zu arbeiten und in diese Richtung zu gehen. Mit dem Trend der Dance Music zu gehen war etwas, das ich wirklich auf meinem Album machen wollte. Ich liebe meine Fans und ich will meinen Fans die Songs geben, nach denen sie wirklich verlangen, aber ich will auch meine Zielgruppe erweitern, wenn ich kann. Und ich möchte Musik für meine homosexuellen Brüder und Schwestern machen. Weißt Du was ich meine? Ich will die Art von Musik machen, die ich hören würde, wenn ich in einem Club wäre.

 

A.H.: Was welche Musik wäre?

 

A.L.: Dance Music! Meine Herausforderung war, wie verbinde ich echte Dance Music damit, wozu ich stimmlich in der Lage bin und was ich mache. Das war als ich angefangen habe, in den Funk-Bereich zu gelangen. Ich meine, es ist immer noch elektronisch, aber es ist funky und es hat einen Swing und ich habe eine Menge Michael Jackson und Prince gehört und wir haben gerade damit begonnen, in diese Richtung zu gehen.

 

A.H.: Welche Musik hat Dich als Kind inspiriert?

 

A.L.: Meine beiden größten Lieblinge waren Madonna und Michael Jackson. Sie waren König und Königin. Und sie haben beide genau so viel Makeup getragen und sahen fabelhaft in ihren Outfits aus und hatten Musikvideos, die theatralisch und wie kleine Filme waren und das ist irgendwie die Art von Künstler, in der ich mich sehe – jemand der von Grund auf kreieren möchte, nicht nur einen erstaunlichen Song, sondern auch mit einem Beat und einer Geschichte und einem Look und einem Thema. Ich hoffe wirklich, dass mir dieses Album diese Möglichkeiten erlaubt und ich mein Publikum auf diese Reise mitnehmen kann.

Quelle: Out-Magazine

 

- Betty